Kaum waren die letzten Töne des weltberühmten „Halleluja“ aus Händels Messias verhallt, wurde der Odenheimer „Michaelsdom“ vom tosenden Beifall der über 700 BesucherInnen des Konzerts „Klangdom- Lichtklang“ anlässlich des Ortsjubiläums und des 285-jährigen Jubiläums des Kirchenchores erfüllt.
Den Angelpunkt des Abends bildeten das Kyrie, Credo und Agnus Dei aus der „Messe 2012“ des zeitgenössischen Komponisten Michael Schütz, die geschickt im Programm integriert einen großen thematischen Spannungsbogen aufbauten. Gerade das Credo, so die Moderation, die von den Chorsängerinnen und Chorsängern selbst übernommen worden ist, wolle „jegliche Facette von Leben, Lieben, Leiden, Tod und unabdingbare Hoffnung“ beschreiben. Dies gelang auf beeindruckende Art und Weise durch das hervorragende Zusammenspiel von Band und klassischem Orchester, Schlagzeugsolo und einem Chor, der mit außergewöhnlicher Empathie Musik, Text und Sinn verschmelzen lies. Dem satten und ausdrucksstarken Klang wurde im wahrsten Sinne des Wortes ein fulminante und detailverliebte Lichtinstallation als Krone aufgesetzt, die in überwältigender Weise im Einklang mit der dargebotenen Kunst den Kirchenraum inszenierte.
Der 75köpfige und in allen Stimmen bestens aufgestellte Chor hatte sichtlich Freude am Musizieren und zeigte sich als harmonisches Ganzes. Jegliche dynamische Wendung schienen die Sängerinnen und Sänger sowohl am Taktstock als auch an der Körpersprache des Dirigenten Martin Ritz abzulesen. Insbesondere das Benedictus aus der Missa brevis von Jacob de Haan zeigte eine maximale dynamische Vielfalt sowohl im mystischen piano über den marschierenden Bassbewegungen im Orchester als auch im glanzvollen Forte, in dem sich ein strahlender Sopran in harmonischer Spannung zum Bass erhebt, im brillierenden „Hosanna“ von der unerbitterlichen Hoffnung auf Frieden singt und die hohen Wände des „Odenheimer Domes“ mit Licht und Klang erfüllte.
Gerade im Kontrast aus Licht und Klang fügten sich die eigentlich konträren Stücke zu einer großen Geschichte zusammen, in der sowohl Bachs bekannter Kantatensatz „Jesus bleibet meine Freude“ als auch das zeitgenössische Lobpreislied „Awesome god“ ihre Aussagekraft und musikalischen Charakter behielten. Bei letzterem setzten die jugendlichen Sängerinnen des Chores einen beeindruckenden Akzent. Auch bei diesem Stück zeigte sich der Chor wendig und sichtbar begeistert von der Vielfältigkeit der dargebotenen Kirchenmusik. Diese Vielfalt bescherte den Zuhörer und in diesem Fall auch Zuschauerinnen eine Vielfalt an Gänsehautmomenten. Eine gewaltige Bühne für die Lichtinstallation bildete die Filmmusik „Giorni Dispari“, die rein instrumental dargeboten wurde. Im sphärischen Duktus umwebt ein auffällig feinfühliges Orchester ein zum Sinnieren anregendes Klaviersolo, bei dem Rafael Hirsch, ebenfalls ein Sänger des Chores, brillierte. Mit der berühmten Toccata aus der Symphonie Nr. 5 von Charles Marie Widor ließ Organist Thomas Weidemann in unzähligen Sechzehntel, die über der Bassposaune zum Himmel streben, die „Königin der Instrumente“ jubilieren.
Chor, Licht, Orchester und ein gefesseltes Publikum verschmolzen zu einem großen Ganzen, erfüllt von Glanz und Licht in beeindruckender Architektur. Nach atemberaubenden Momenten stimmte der ganze Ort in seiner Kirche in hörbarer Dankbarkeit in das große Loblied „Te Deum“ an. Wer sich an diesem Abend vom Bergsporn wieder hinunter auf den Weg in den Ort machte, schaute vermutlich nochmals verstohlen auf die beleuchtete Kirche zurück und wurde, stolz auf seinen Kirchenchor, mit einer wohligen Gänsehaut für diesen grandiosen Abend belohnt.